Die Standortvorteile von Heimtextil und Domotex nutzen!

Von Hans Joachim Schilgen, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Heimtextilien Industrie, e.V., Wuppertal
Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 11/2005
„Panta rhei“ – „alles fließt“. Das hat bereits der griechische Philosoph Heraklit der Menschheit vor rund zweieinhalbtausend Jahren zu vermitteln versucht. Was er damit meinte war, dass die Welt unentwegt in Bewegung, im Fluss ist. Der permanente Wandel und Wechsel war nach Heraklits Auffassung das Charakteristikum der Welt schlechthin und damit durchaus positiv.
Und eigentlich hat sich bis heute daran nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Auch wir leben in einer Welt, in der immer häufiger zutrifft, dass heute nichts mehr ist wie es gestern einmal war. Gleichwohl gibt es auch einige Konstanten, an die wir uns dann anscheinend umso lieber gewöhnen. Eine solche Konstante war in den zurückliegenden Jahren leider auch die Tatsache, dass die deutsche Industrie – und hier natürlich auch die Heimtextilien-Industrie – auf einer nicht enden wollenden Talfahrt war. Negative Umsatzzahlen, dramatisch schwindende Renditen und düstere Prognosen. Irgendwie hatten wir uns daran schon richtig gewöhnt.
Und obwohl sich weder die wirtschaftlichen noch die sozialen Rahmenbedingungen gravierend geändert haben, sind erste durchaus positive Konjunkturboten zu erkennen. Wie das Statistische Bundesamt Mitte November bekannt gab, meldet sich die Konjunktur hierzulande zurück in der „Wachstumsspur“. Trotz extrem hoher Energiepreise hat die deutsche Wirtschaft die Delle vom Frühjahr überwunden und neuen Schwung geholt, indem sie im dritten Quartal an den Aufwärtstrend vom Jahresbeginn anknüpfen konnte. Ein Wert übrigens, den selbst Experten in dieser Form nicht erwartet hätten.
Auch aus dem Handwerk unserer Brache wird ganz verhalten der heiß ersehnte Silberstreif am Horizont gemeldet. Der aktuelle Konjunkturbericht, den der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) als Dachverband von rund 5.000 Innungsbetrieben des Raumausstatter-Handwerks auf seiner Konjunkturpressekonferenz vorstellte, lässt jedenfalls diese Vermutung zu. So hat sich beim Umsatz des Geschäftsjahres 2004 eine leichte Verschiebung nach oben ergeben. Auch wenn sind die Raumausstatter mit dem bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2005 noch eher unzufrieden sind, ist gleichzeitig die Stimmung jedoch deutlich besser als in den Vorjahren. Und damit stehen die Raumausstatter beileibe nicht alleine da. Denn trotz hoffnungsfroh stimmender Wirtschaftsdaten ist die Tatsache nicht zu übersehen, dass sich der konjunkturelle Antriebsmotor aus dem Export speist, während der Binnenmarkt - wenn überhaupt - nur sehr langsam in Bewegung kommt. Damit bremst der private Verbrauch zum dritten Mal in den vergangenen Jahren das Wachstum aus. Exorbitant steigende Energiepreise, erhöhte Krankenkassenbeiträge, die Unsicherheit mit Blick auf den Gestaltungswillen bzw. die politische Kraft der großen Koalition und weiterhin die erschreckend hohe Zahl an Arbeitslosen und damit die Angst vor Arbeitslosigkeit fördern die Kauflust der Menschen nicht gerade.
Trotz der „Aufschwung-Zeichen“ erwarten die Experten für 2006 allenfalls einen marginalen Konsumschub, bedingt durch die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr und durch eventuell vorgezogene Käufe bei Autos, Möbeln und Haushaltsgeräten vor dem Hintergrund der geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung für 2007. Es ist jedoch generell schwieriger geworden, verlässliche Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung zu treffen. Zu viele Unwägbarkeiten und nicht einkalkulierbare Aspekte lassen selbst die Vorhersagen von Volkswirten und Analysten bisweilen zur Makulatur verblassen.
In Zeiten des Wandels ist es daher auch wichtig, konstante Wirtschaftsfaktoren zu haben und zu pflegen. Auf unsere Branche bezogen sind das zur Eröffnung des neuen Wirtschaftsjahres die zwei großen Branchenmessen „Heimtextil“ und „Domotex“. Auf meinen Geschäftsreisen und bei Kontakten mit ausländischen Geschäftsleuten erfahre ich immer wieder, dass uns viele Länder um diese weltweit renommierten Veranstaltungen beneiden. Das sollten wir uns gelegentlich vergegenwärtigen. Nehmen wir beispielsweise die Heimtextil. Sie findet im kommenden Januar immerhin zum 36. Mal (!) statt und kann sich zu Recht als die weltweit größte und traditionsreichste Branchenfachmesse bezeichnen. Sie hat sich seit ihrer Premiere im Jahr 1971 kontinuierlich zum Synonym für textile Wohntrends und für eine Marketingplattform in einer zusehends global vernetzten Branche entwickelt. Als Messeveranstaltung und Branchenforum reflektiert und motiviert sie den Markt für Heim- und Haustextilien in all seiner wirtschaftlichen, kreativen und geografisch-kulturellen Vielfalt. Und genau diese Vielfalt ist eine der Quellen für die Inspirationskraft dieses Branchentermins.
Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz darauf eingehen, was Branchenfachmessen wie Heimtextil und domotex an Vorzügen für die Branche bieten: Sie sind der Premierentermin im Branchenjahr und bieten den ersten kompletten Marktüberblick des Jahres. Damit einher geht die Bedeutung der Heimtextil als Trendsetter textiler Inneneinrichtung, und dem tragen nicht nur die Aussteller mit der Präsentation ihrer Neuheiten Rechnung, sondern auch die Fachmesse selbst, etwa mit dem Trend-Forum. Hier werden jedes Jahr die neuen Design-Trends für die folgende Saison als Inspirationsquelle für die kommenden Materialien, Farben, Formen und Wohnszenarien gezeigt. Auf der anderen Seite (nämlich in Hannover) bietet die domotex mit der contractworld für die Objekteinrichter im Bereich Bodenbeläge ein attraktives Forum für Produkt- und Design-Innovationen.
Aussteller und Besucher profitieren von der großen Zahl und Internationalität der Messeteilnehmer, vom einmalig breiten Produktsortiment und der Präsenz aller Qualitätsstufen und Vertriebsformen der gesamten Produktpalette. Die Messen führen Angebot und Nachfrage gezielt zusammen. Und vergessen wir nicht, dass in Zeiten, in denen Globalisierung das Zauberwort in Wirtschaft und Politik ist, keine Branche ohne internationale Geschäftsbeziehungen und Kontakte auskommt.
Anstatt uns über den Standortvorteil beider Messen hier in Deutschland zu freuen, die uns immerhin im eigenen Land eine unvergleichliche Internationalität im Angebot, an Ausstellern und Besuchern bringen, neigen wir allerdings gelegentlich dazu, diese erfolgreichen Veranstaltungen „kaputt“ zu reden. Etwa mit einer ständig wiederkehrenden Debatte über einen 2-Jahres-Turnus. Doch das schadet einer Veranstaltung eher als dass es auch nur einen minimalen Nutzen hätte, denn diese Diskussionen werden in der Regel nicht auf der Basis eines klar erkennbaren Konzeptes geführt. Im schlimmsten Falle erwecken wir mit solchen Diskussionen allenfalls den Eindruck als sei uns die Messe in dieser Form im eigenen Land gar nicht so wichtig. Und das wäre ein fataler Rückschluss. Überdies würde ein 2-Jahres-Rhythmus nur unnötige Unruhe schaffen, da natürlich andere Messeplätze eine Chance wittern, sich dann in dem freiwerdenden Raum zu etablieren. Kosten werden dann aber nicht gespart, dafür wächst die Desorientierung und mögliche Messezersplitterung.
Im Sinne von „Panta rhei“ sollten wir uns eher mit dem permanenten Wandel beschäftigen, den uns solche Messen bieten. Denn Wandel ist in diesem Zusammenhang zu verstehen als Innovation und als Anpassung an neue Marktgegebenheiten. So gesehen ist eine Messe ja immer auch ein wichtiges Marketinginstrument in der eigenen Firmenstrategie und die Praxis zeigt, dass das Marketingpotenzial von Messen heute gefragter denn je ist. Schließlich geht es darum, strategische Netzwerke zu bilden und neue Wege zum geschäftlichen Erfolg zu bahnen. Unterschiedliche Kommunikationsforen und Informationsveranstaltungen, wie beispielsweise die Vortragsreihe „Bed + more“, oder Fachforen auf der domotex fokussieren aktuelle Fachthemen professionell gebündelt.
Natürlich ist nicht zu leugnen, dass Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Zeiten auf allen Ebenen nach Einsparungen suchen und suchen müssen. Messen vollständig aus dem Budget zu streichen ist aus unserer Sicht jedoch keine Lösung. Als Verband, der die Interessen der Deutschen Heimtextilien-Industrie auf internationalem Terrain vertritt, sehen wir einfach den enormen Standortvorteil, der sich auch auf finanzieller Ebene (kurze Wege, kurze Anreise für Aussteller und inländische Besucher/Kunden) positiv auswirken dürfte, zumal Messen im eigenen Land den Ausstellern eine maximale Produktpräsentation ermöglichen.
Allerdings setzt das zwangsläufig voraus, dass der heimische Handel diesen Standortvorteil ebenfalls zu würdigen weiß und durch seine Anwesenheit als Besucher oder besser noch als Käufer die Notwendigkeit der Messe unterstreicht.
Als Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie und mit unserer Servicegesellschaft Interessengemeinschaft der Deutschen Heimtextilien-Industrie GmbH sind wir Ihnen bei Fragen rund um Messen und Messeplanungen sehr gerne behilflich. Außerdem halten wir traditionell einen engen Kontakt zu den Messegesellschaften, um Anregungen aber auch Kritikpunkte und Probleme unserer Industrie an die zuständigen Stellen und Personen weiterzuleiten. Eine Aufgabe, der wir gerne nachkommen. Denn nur im ständigen Austausch und Dialog können alle Marktpartner voneinander lernen und Dinge in die richtige Richtung bewegen. In diesem Sinne freuen wir uns auf Ihr Feedback.

