Die Feinstaub-Diskussion liefert klare Argumente pro Teppichboden

Von Johannes Schulte, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vorwerk & Co. Teppichwerke und Sprecher der Fachgruppe Teppichindustrie im Verband der deutschen Heimtextilien-Industrie e.V., Wuppertal
Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 10/2005
Wer hätte das gedacht? Jahrelang sah sich die Teppichboden-Industrie massiv in den Medien mit dem Vorurteil konfrontiert, textiler Bodenbelag sei allergiefördernd und damit gesundheitsschädigend. Und nun wird Allergikern höchst offiziell durch den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) empfohlen, sich anstelle von Glattböden bei der Ausstattung der heimischen vier Wände für kurzflorige Teppichböden zu entscheiden und auch die Medien machen aus ihrer neu entdeckten Sympathie für Teppichböden keinen Hehl. Jüngstes Beispiel: Die auflagenstarke Programmzeitschrift HÖRZU widmet dem Thema unter der Rubrik „Gesünder leben“ in ihrer Ausgabe vom 26. August 2005 eine Seite und betitelt diese humorig mit „Schön auf dem Teppich bleiben“.
Lassen Sie mich an dieser Stelle einen kurzen Blick zurück werfen und diese, aus unserer Sicht erfreuliche Entwicklung kurz skizzieren. In den zurückliegenden Jahren hat die Europäische Teppich-Gemeinschaft (ETG) viel getan, um den Fehlinformationen hinsichtlich vermeintlicher Zusammenhänge zwischen Teppichboden und Allergien professionell und mit fundierten Aufklärungskampagnen entgegen zu wirken. Ein Informationskonzept, das aufgrund seiner stichhaltigen Fakten bei den Meinungsbildnern, vornehmlich in Medizinerkreisen, schon bald ein positives Umdenken zur Folge hatte. Die teilweise eklatanten Fehleinschätzungen wurden heimlich, still und leise revidiert und der textile Bodenbelag verschwand aus den Negativ-Schlagzeilen.
Ein erster Erfolg. Dass sich das Blatt aus Sicht unserer Industrie nun nochmals positiv gewendet hat, steht im direkten Zusammenhang mit der seit Jahresbeginn geführten Diskussion um Feinstaubbelastung, die sehr stark ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist. Denn seit Januar 2005 haben häufige Überschreitungen der EU-Grenzwerte in der Außenluft Konsequenzen. So drohen den betroffenen Kommunen beispielsweise Tempolimits, Fahrverbote oder gar Straßensperrungen für Lastkraftwagen. Drakonische Maßnahmen, wie es scheint, allerdings Maßnahmen, die durchaus Sinn machen. Denn die gesundheitliche Belastung des menschlichen Organismus durch Feinstaub ist immens und reicht von Herz-Kreislaufbeschwerden über Allergien bis hin zu Krebserkrankungen.
Während sich in der öffentlichen Diskussion die Aufmerksamkeit von Politikern auf die Belastung der Außenluft in den Städten konzentriert, ist der DAAB zusätzlich der Frage nachgegangen, wie es in Innenräumen um die Feinstaubbelastung steht, denn schließlich verbringen wir annähernd 90 Prozent unserer Zeit in Räumen. Anlass genug, dieser Frage in Form einer wissenschaftlichen Studie nachzugehen, die bei der Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik (GUI) in Mönchengladbach in Auftrag gegeben wurde. Dazu wurde in mehr als 100 zufällig ausgewählten Haushalten in Nordrhein-Westfalen die Feinstaubkonzentration in Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern gemessen.
Vor dem Hintergrund, dass der Grenzwert für eine Belastung in der Außenluft durch den Gesetzgeber auf 50 µg/ m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) festgelegt ist, sind die Ergebnisse dieser Studie, die sich speziell mit dem Produkt Bodenbelag befasste, frappierend. Im Vergleich zwischen Glattböden und Teppichböden haben die Wissenschaftler in Räumen mit glatten Fußböden im Durchschnitt eine Feinstaubkonzentration von 62,9 µg/m³ ermittelt, während in Haushalten mit Teppichböden ein Mittelwert von 30,4 µg/m³ gemessen wurde. Auf den Punkt gebracht heißt das: Die Feinstaubbelastung in Räumen mit glatten Bodenbelägen ist doppelt so hoch wie bei textilen Böden und liegt zugleich deutlich über dem festgelegten Grenzwert.
Was ist der konkrete Vorteil von Teppichboden? Wie können wir diese Fakten nutzen?
Wenn der in der Luft befindliche Staub auf den Boden fällt, wird er von Teppichböden aufgrund der Vielzahl der Fasern gebunden. Bis zum nächsten Saugen bleibt der Staub eingeschlossen, kann nicht mehr in die Raumluft entweichen und wird somit nicht eingeatmet. Auf Glattböden kann der herabfallende Staub hingegen nicht gebunden werden. Bei jeder Bewegung, bei jedem Öffnen von Türen oder Fenstern wird der Staub erneut aufgewirbelt und in die Raumluft abgegeben, womit er wieder in die Atemwege aufgenommen werden kann. Um hier eine Verbesserung der Raumluft zu bewirken, müsste der Boden täglich feucht gewischt werden, was in der Realität eher nicht praktikabel ist. Außerdem kann so auch nur der auf dem Boden befindliche Staub beseitigt werden.
Nun sind wir als Branche aufgefordert, mit diesen Fakten sinnvoll und professionell umzugehen. Denn die Argumente, die uns hier auf höchst wissenschaftlicher Ebene und durch äußerst kompetente Institutionen wie den DAAB und die GUI geliefert werden, können gezielt in der Beratung von Verbrauchern und im Verkaufsgespräch eingesetzt werden, zumal die natürlichen Vorzüge, die Teppichboden speziell Allergikern bietet, gewissermaßen auf der Hand liegen und leicht nachvollziehbar sind.
Zweifellos sind das Interesse und die Aufnahmebereitschaft der Menschen für solche Themen heute bei weitem größer als noch vor fünf Jahren. In allen Altersgruppen ist die Sensibilität für Gesundheit, Wellness und Wohlbefinden stark angestiegen, zum Teil sind hier gänzlich neue Branchen rund um diese Themen entstanden. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir unser Produkt Teppichboden im Schulterschluss zwischen Industrie und Handel adäquat nach außen promoten. Dazu müssen wir die natürlichen Vorzüge, die textiler Bodenbelag von Haus aus mitbringt, verinnerlichen und selbstbewusst kommunizieren. Lassen Sie uns aktiv am Image von Teppichboden arbeiten im Sinne seriöser Information. Denn unser Produkt birgt so viele positive Eigenschaften, die weit über die hier genannten hinausgehen, dass es nicht schwierig ist, Argumente pro Teppichboden zu finden.
Gerne sind wir Ihnen als Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie oder auch über die Europäische Teppich-Gemeinschaft behilflich, wenn Sie weitere Informationen wünschen.

