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Heimtextilien-Industrie 2003 – Strukturelle Konsolidierung setzt sich fort

Von Diplom-Kauffrau Barbara Schmidt-Zock, Referat Betriebswirtschaft und Statistik und Hans Joachim Schilgen, Geschäftsführer - Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V.

Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 2/2004



Auch 2003 – und damit im 3. Jahr in Folge – blieb die erhoffte Aufschwungsdynamik auf dem Absatzmarkt von Heimtextilien aus. Dabei gab das Ergebnis des 1. Halbjahres mit einem durchschnittlichen Umsatzplus von 1,7 Prozent für die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie zunächst durchaus Anlaß, auf einen ähnlichen Verlauf im 2. Halbjahr und damit letztlich auch auf ein positives Jahresergebnis zu hoffen. Leider setzte sich dieser Trend in der 2. Jahreshälfte nicht weiter fort. Die Umsatzeinbußen im Inland wurden größer, und auch das Exportgeschäft zeigte im August und November leichte Schwächen. Per Ende November wurde somit das Umsatzergebnis des Vorjahres um 1,8 Prozent verfehlt.
Problemfaktor Nr. 1 blieb auch 2003 unverändert die desolate Situation auf dem Inlandsmarkt. Der Verbraucher übte sich konsequent in Konsumzurückhaltung. Betroffen waren – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – nahezu alle Konsumbereiche, und so spürten auch die Unternehmen der Heimtextilien-Industrie diesen Trend deutlich. Das Inlandsgeschäft verringerte sich von Januar bis November 2003 um 5,5 Prozent.
Wirtschaftsmotor und konjunkturelle Stütze vieler Unternehmen war damit auch 2003 zum wiederholten Male das Exportgeschäft. Die Einzelmonatsergebnisse waren bis auf die Monate August und November positiv; jahresdurchschnittlich konnte der Exportumsatz per Ende November um 9,2 Prozent gesteigert werden.
Und auch ihren Exportanteil haben die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie 2003 weiter ausgebaut auf 28,1 Prozent.

Die strukturelle Konsolidierung der Branche setzte sich 2003 fort.
Nach einer ersten Schätzung ist die Anzahl der heimtextilen Produktionsbetriebe 2003 um gut 5 Prozent auf 185 zurückgegangen; die Anzahl der Beschäftigten der Heimtextilien-Industrie hat sich voraussichtlich um 7 Prozent auf 19.950 verringert.

Die Entwicklung der einzelnen Sparten der Heimtextilien-Industrie war wie folgt:

Textile Bodenbeläge
Der textile Bodenbelag ist mit einem Marktanteil von fast 50% nach wie vor der Bodenbelag Nummer 1. Der Verbrauch lag 2003 in West-Europa bei ca. 850 Mio m2 bei einem Gesamtbedarf an Bodenbelägen von ca. 1.800 Mio. m2 (Quelle: Intercontuft).

Auf Basis der Statistik des Verbandes der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V., in dem auch die Hersteller von Teppichboden organisiert sind, stellen wir für Deutschland folgende Veränderungsraten / Anteile fest:

Produktionsentwicklung
• Gewebter Teppichboden -8,9%
• Getufteter Teppichboden -2,7%
(Quelle: Verbandsstatistik Jan. - Nov. 2003:2002)

Umsatzentwicklung
• Gewebter Teppichboden -9,9%
• Getufteter Teppichboden -0,3%
(Quelle: Verbandsstatistik Jan. - Nov. 2003:2002)

Die deutlicheren Rückgänge beim Webteppichboden sind mit der schwierigen Situation im Objektgeschäft zu erklären, da gewebter Teppichboden überwiegend hier zum Einsatz kommt. Investitionsentscheidungen zum Bau und zur Ausstattung von öffentlichen oder gewerblichen Gebäuden werden zur Zeit kaum getroffen.

Durchschnittspreise
• Gewebter Teppichboden -2,2%
• Getufteter Teppichboden -0,2%
(Quelle: Verbandsstatistik Jan. - Nov. 2003:2002)

Exportumsatz
• Teppichboden gesamt 19,9%
• Gewebter Teppichboden -17,5%
• Getufteter Teppichboden 25,7%
(Quelle: Verbandsstatistik Jan. - Nov. 2003:2002)

Exportquopte
• Teppichboden gesamt 28,6%
• Gewebter Teppichboden 23,8%
• Getufteter Teppichboden 29,2%
(Quelle: Verbandsstatistik Jan. - Nov. 2003)

Wie bereits erwähnt hat der textile Bodenbelag immer noch fast 50 Prozent Marktanteil und das aus gutem Grund. Nach wie vor schätzen Verbraucher die Vorteile, die ihnen ein textiler Bodenbelag bietet:
• Teppichboden ist ein emotionales Produkt, was sogar ein haptisches Erlebnis vermittelt. Es trägt deutlich zu einem angenehmen Wohngefühl bei.
• Teppichboden wird in über 3.000 Dessin- und Farbvarianten angeboten und setzt somit der Kreativität in der Raumgestaltung keine Grenzen.
• Teppichboden vermindert den Trittschall um bis zu 30 dB A, was einer Reduzierung des subjektiven Schalleindrucks um fast 90 Prozent entspricht. Textiler Bodenbelag trägt somit deutlich zum Wohlbefinden und zur Erholung am Feierabend bei.
• Teppichboden bietet Rutschsicherheit, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, und reduziert somit die Unfallzahlen.
• Teppichboden eignet sich sogar hervorragend für Hausstauballergiker. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen belegen, das der Staubgehalt in der Raumluft abnimmt, da die Staubpartikel durch die Teppichbodenfasern bis zum nächsten Staubsaugen gehalten werden.
• Orthopäden attestieren dem Teppichboden optimale stoßdämpfende Eigenschaften beim Gehen. Das schont Rücken und Gelenke.

Neben diesen und weiteren Vorteilen sind einige Hersteller zur Zeit dabei, dem Produkt Teppichboden einen Zweitnutzen zu geben. Zukünftig ist es beispielsweise vorstellbar, daß durch die Integration von Mikrochips der Teppichboden zusätzlich die Funktion eines Brand- oder Bewegungsmelders übernimmt.

Der Anspruch an qualitativ hochwertiger Beratung und Service für den Verbraucher, verbunden mit dem Angebot von hochwertigem Teppichboden ist wieder Thema in der Branche. Der Verbraucher hat anscheinend zu viele schlechte Erfahrungen mit Billigprodukten gemacht und ist wieder bereit mehr in Qualität zu investieren.
Im Sommer des vergangenen Jahres wurde die "Qualitätsinitiative "Pro Teppichboden" gegründet, mit dem Ziel, das bestehende und ausgeweitete Angebot von qualitativ hochwertigen Produkten nunmehr verstärkt auch über die Beratung und den Service im Handel und Handwerk zu fördern und zu zertifizieren. Einmalig ist, dass sich in der Qualitätsinitiative "Pro Teppichboden" 20 bedeutende Organisationen und Vertreter der Branche aus Industrie, Handel und Handwerk zusammengeschlossen haben, um das Produkt Teppichboden für den Verbraucher wieder interessanter zu machen.


Möbelstoffe für den Ausstattungsbereich
Im Möbelstoffbereich zeigte sich per Ende November ein jahresdurchschnittlicher Umsatzrückgang von 8,2 Prozent. Dabei entwickelte sich sowohl das Inlands- (-8,6 Prozent) als auch das Auslandsgeschäft (-7,0 Prozent) rückläufig.
Im Bereich Flachgewebe waren die Umsatzeinbußen mit jahresdurchschnittlich –1,6 Prozent per Ende November vergleichsweise moderat. Mit 0,4 Prozent knapp über dem Vorjahresniveau bewegte sich dabei das Inlandsgeschäft; im Exportgeschäft zeigten sich dagegen Umsatzeinbußen von –5,8 Prozent. Und auch die Exportquote verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte auf 29,5 Prozent.
Besonders enttäuschte 2003 jedoch die Entwicklung im Veloursbereich. Mit –18,7 Prozent war der Umsatzrückgang deutlich spürbar.
Überdurchschnittliche Einbußen resultierten aus dem Inlandsgeschäft (-20,6 Prozent), und auch das Exportgeschäft zeigte Schwächen. Mit –10,3 Prozent entwickelte es sich ebenfalls rückläufig. Der Exportanteil verstärkte sich geringfügig auf 20 Prozent, blieb aber dennoch sichtbar unter dem Branchendurchschnitt.
Das durchschnittliche Preisniveau zog sowohl bei den flachgewebten Möbelstoffen (3,2 Prozent) als auch noch etwas deutlicher im Veloursbereich (4,7 Prozent) an.
Die erfolgreichen Unternehmen dieser Sparte setzen ein besonderes Engagement in die Bearbeitung von Auslandsmärkten.


Dekorationsstoffe
Die erhoffte Erholung des Marktes für Dekostoffe setzte auch 2003 nicht ein. Es mangelte weiterhin spürbar an Kaufimpulsen. Per Ende November wurde das Umsatzergebnis des Vorjahres um 5,5 Prozent verfehlt. Inlands- und Auslandsgeschäft waren dabei prozentual nahezu gleichermaßen betroffen. Mit 39,0 Prozent blieb der Exportanteil stabil zum Vorjahr.
Der Bereich der bedruckten Dekostoffe war von der Konsumflaute deutlich stärker betroffen. Hier bezifferte sich der Umsatzrückgang auf 17,3 Prozent mit ähnlichen Ergebnissen für die jeweilige Entwicklung im In- (-16,3 Prozent) und Ausland (-19,2 Prozent) bei einem Exportanteil von 33,8 Prozent.
Die Umsatzeinbußen im Bereich der uni-/buntgewebten Dekostoffe waren dagegen mit jahresdurchschnittlich –1,7 Prozent - dabei –1,4 Prozent im In- und –2,1 Prozent im Ausland - vergleichsweise moderat. Der Exportanteil lag hier bei 40,3 Prozent.
Gegenläufig verlief der Trend bei der Entwicklung des durchschnittlichen Preisniveaus. Im Bereich der uni-/buntgewebten Dekostoffe verstärkte sich das durchschnittliche Preisniveau um 2,0 Prozent; bei den bedruckten Dekostoffen wurde das durchschnittliche Preisniveau des Vorjahres um 2,7 Prozent verfehlt.


Gardinen
Die sich an der Verbandsstatistik beteiligenden Hersteller von Gardinen verzeichneten konträr zum allgemeinen Trend einen durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 10,7 Prozent. Die positiven Nachfrageimpulse resultierten aus den Bereichen gewebte Gardinen-Meterware und konfektionierte Gardinen. Im Bereich der gewirkten Gardinen setzte sich dagegen der rückläufige Nachfragetrend der Vorjahre auch 2003 – allerdings in abgeschwächter Form - fort.
Der durchschnittliche Exportanteil dieser Sparte lag bei knapp 20 Prozent. Insgesamt entwickelte sich das Exportgeschäft in allen drei Produktbereichen positiv. Der Exportzuwachs bezifferte sich im Durchschnitt auf 22,0 Prozent. Die Zuwächse im Inlandsgeschäft beschränkten sich auf die Bereiche gewebte Gardinen-Meterware und konfektionierte Gardinen.


Bettwaren
Die Umsatzentwicklung im Bereich Bettwaren gefüllt mit Naturhaaren oder synthetischen Fasern lief im 1. Halbjahr 2003 mit einem Wachstum von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum recht erfolgsversprechend an. Leider schwächte sich dieser Trend in der 2. Jahreshälfte wieder deutlich ab. Per Ende November lag das jahresdurchschnittliche Umsatzergebnis mit 0,5 Prozent nur noch unwesentlich über dem Vorjahresniveau.
Die Wachstumsimpulse resultierten aus dem Exportgeschäft (8,0 Prozent). Der Exportanteil verstärkte sich auf 21 Prozent. Aber auch aus dem Inlandsgeschäft waren zunächst Wachstumsimpulse zu verzeichnen. Der November brachte dagegen deutliche Einbußen. Im Jahresdurchschnitt wurde das Umsatzergebnis des Vorjahres letztlich um 1,4 Prozent verfehlt.
Mit Sorge betrachtet wurden 2003 die Verschiebungen im Absatzkanal. Die zunehmende Bedeutung der ausschließlich preisorientierten Discountmärkte im Vertrieb von Bettwarenprodukten ruft erhebliche Probleme im Preisgefüge des gesamten Distributionssystems hervor. Der Handel strebt zunehmend in Richtung Realisierung möglichst niedriger Durchschnittspreise. Beim Hersteller führen diese Strukturveränderungen zu einem gravierenden Konditionendruck seitens der Abnehmerschaft.


Spitzen und Stickereien
Auch der Markt für Spitzen und Stickereien verengte sich 2003. Das Inlandsgeschäft entwickelt sich rückläufig; die Branche ist zur Kompensation gezwungen und verstärkt daher ihr Engagement auf den Auslandsmärkten.
Wichtigste Auslandsmärkte sind neben den Ländern der EU auch weiterhin der asiatische Raum sowie die USA.
Die Produkte der vogtländischen Spitzen- und Stickereiindustrie zeichnen sich durch eine besonders hohe Wertigkeit aufgrund ihres ausgeprägten Qualitätsanspruchs aus. Die Marke „Plauener Spitze“ bürgt hierfür. Die Branche intensiviert kontinuierlich ihre Anstrengungen zur Förderung der Marke mit dem Ziel einer positiven Resonanz auf in- und ausländischen Märkten.


Ausblick
Die Mehrzahl der Ökonomen rechnet für 2004 mit einem gesamtwirtschaftlichen Aufschwung.
Tritt dieser Aufschwung dann auch tatsächlich ein, so tauchen möglicherweise auch wieder erste positive Impulse in der Konjunktur der Heimtextilien-Branche auf. Auf breiter Ebene wird sich diese Entwicklung erfahrungsgemäß erst mit einem gewissen Zeitverzug auswirken.
Primär entscheidend ist jedoch, ob der aktuelle Reformprozeß und damit verbunden auch die anstehenden Steuerentlastungen tatsächlich in der Lage sind, direkt die dringend erforderliche Ankurbelung der Inlandsnachfrage zu bewirken.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass neben den aktuellen realwirtschaftlichen Faktoren das psychologische Element – d.h. das mangelnde Vertrauen der Unternehmer und Verbraucher, welches zu einer übermäßigen Investitions- und Konsum-Zurückhaltung führt – gestärkt und zurückgewonnen werden muß.

Die deutsche Heimtextilien-Industrie stellt sich daher auch für 2004 auf erschwerte Marktbedingungen ein. Schwierige Zeiten beinhalten jedoch auch eine Reihe an Chancen, frei nach dem Motto „Not macht erfinderisch“. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Unternehmen gefordert, von ihrer alltäglichen Routine abzuweichen und neue Wege zu beschreiten, Geschäftskonzepte zu überdenken und Ideen umzusetzen. Erfolgreiche Unternehmen der Heimtextilien-Industrie haben dies erkannt. Ihre innovativen Produkte und Vermarktungskonzepte werden in dieser Woche auf der Heimtextil präsentiert.
Damit verbunden ist auch die permanente Suche nach neuen Märkten – und dies weltweit. Die deutsche Heimtextilien-Industrie wird auch in diesem Jahr verstärktes Engagement auf den Ausbau ihrer Exportaktivitäten setzen und Chancen der Markterschließung wahrnehmen.
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