Zweistelliges Plus bei Webware stoppt Umsatzrückgang bei Teppichboden

Von Diplom-Kauffrau Barbara Schmidt-Zock, zuständig für das Referat Betriebswirtschaft und Statistik im Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V.
Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 09/2005
Vor dem Hintergrund einer allgemein schwachen Wirtschaftsleistung bleibt auch die Situation für die Unternehmen der deutschen Heimtextilienindustrie weiterhin schwierig. Eine ausgeprägte Konsumzurückhaltung dominiert ungebrochen die heimischen Märkte. Als Hauptursache des mangelnden Konsums gelten die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit sowie damit verbundene Existenz- und Zukunftsängste.
Die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie spüren die Auswirkungen dieser Entwicklung ebenfalls. Hinzu kommt, daß Heimtextilien zu den Produkten gehören, deren Neukauf meist problemlos einige Zeit aufschiebbar ist.
Somit war auch das 1. Halbjahr 2005 von einem erneuten, letztlich nicht überraschenden, im Branchendurchschnitt insgesamt aber vergleichsweise leichten Nachfragerückgang von 1,2 Prozent geprägt. Dabei fielen März und April als die beiden nachfrageschwächsten Monate des 1. Halbjahres auf.
Das Exportgeschäft enttäuschte bereits 2004, und auch im bisherigen Jahresverlauf blieb die erhoffte Trendwende auf wieder zunehmende Aufträge aus dem Ausland aus. Die verstärkten Bemühungen der Unternehmen in die Intensivierung ihres Exportgeschäftes fruchten derzeit nicht so richtig. So entwickelte sich der Exportumsatz im Betrachtungszeitraum um 1,4 Prozent rückläufig bei einem geringfügigen Anstieg des Exportanteils auf 28,8 Prozent.
Das Inlandsgeschäft zog zwar in einzelnen Sparten erfreulicherweise wieder an, im Branchendurchschnitt blieb es jedoch letztlich auch weiterhin rückläufig (-1,2 Prozent).
Die verschiedenen Produktsparten der Heimtextilien-Industrie entwickelten sich im 1. Halbjahr wie folgt:
Textile Bodenbeläge
Insgesamt betrachtet zeigte die deutsche Teppichindustrie im 1. Halbjahr keinen erneuten Umsatzrückgang. Mit 0,3 Prozent lag der Spartenumsatz sogar knapp über dem Vorjahresniveau.
Der Webbereich, der sich in den vergangenen 4 Jahren konsequent rückläufig entwickelt hatte, gewann in den ersten 6 Monaten d. J. sogar erfreulicherweise wieder deutlich an Nachfrage. Ein Umsatzplus von 15,1 Prozent war festzustellen. Diese positive Entwicklung deutete sich bereits im 1. Quartal an; das 2. Quartal legte dann noch einmal kräftig zu. Insbesondere das Exportgeschäft zog in den ersten 6 Monaten spürbar an (39,5 Prozent). Gleichzeitig verstärkte sich der Exportanteil von 21,8 Prozent im 1. Halbjahr 2004 auf 26,5 Prozent im 1. Halbjahr 2005. Auch das Inlandsgeschäft kam in Bewegung. Hier zeigte sich ein Wachstumsschub von 8,3 Prozent. Nachgefragt wurde verstärkt höherwertige Qualitätsware. Dies spiegelt der Anstieg des Durchschnittspreises um 3,8 Prozent wider.
Nicht zur Zufriedenheit der Unternehmen verlief die Entwicklung im Tuftingbereich im 1. Halbjahr 2005. Der rückläufige Umsatztrend der Vorjahre setzte sich fort, wenn auch mit -1,3 Prozent in vergleichsweise geringer Ausprägung. Umsatzeinbußen resultierten im Tuftingbereich allein aus dem 1. Quartal. Im 2. Quartal besserte sich das Nachfrageklima erheblich, wenn es auch letztlich die Einbußen der ersten drei Monate nicht ausgleichen konnte. Der Trend geht jedenfalls in die gewünschte Richtung und gibt Anlaß zur Hoffnung auf eine positive Entwicklung im 2. Halbjahr. Darüber hinaus wird diese Hoffnung auch unterstützt durch neue Erkenntnisse einer aktuellen Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes/DAAB. Danach reduzieren textile Bodenbeläge – anders als Glattböden – die Feinstaubkonzentrationen in Innenräumen und halten die Konzentrationen im Mittel deutlich unter dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwert. In- und Auslandsnachfrage entwickelten sich im Tuftingbereich ähnlich (-1,4 Prozent bzw. -1,1 Prozent). Mit 30,5 Prozent blieb der Exportanteil stabil zum Vorjahr. Und auch das durchschnittliche Preisniveau veränderte sich kaum (-0,1 Prozent).
Möbelstoffe für den Ausstattungsbereich
Im Bereich Möbelstoffe für den Ausstattungsbereich mangelte es im 1. Halbjahr deutlich an Nachfrage. Der rückläufige Umsatztrend des Vorjahres setzte sich verstärkt mit -11,1 Prozent fort.
Dabei zeigten beide Produktbereiche (Flachgewebe und Velours) erhebliche Schwächen.
Umsatzeinbußen von 8,7 Prozent wies der Bereich Flachgewebe aus. Hier entwickelte sich das Inlandsgeschäft um 9,6 Prozent rückläufig; das Exportgeschäft zeigte einen Umsatzrückgang von 6,6 Prozent. Mit 31,2 Prozent war der Exportanteil etwas höher als im Vorjahr. Das durchschnittliche Preisniveau verstärkte sich ebenfalls leicht (0,9 Prozent).
Der Veloursbereich enttäuschte noch deutlicher. Erneut zeigte sich ein Umsatzrückgang in prozentual zweistelliger Höhe (-16,6 Prozent). Dabei entwickelte sich das Auslandsgeschäft um 14,0 Prozent rückläufig bei einer gegenüber dem Vorjahr nur unwesentlich höheren Exportquote von 24,7 Prozent. Die Nachfrageschwächen im Inlandsgeschäft waren mit –17,5 Prozent für die Unternehmen deutlich spürbar. Ganz offensichtlich spielt im Veloursbereich der Qualitätsaspekt eine besondere Rolle, oder anders formuliert, der aktuell Veloursstoffe nachfragende Verbraucher greift verstärkt zu höherwertigerer Ware. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wurde ein um 10 Prozent höheres Durchschnittspreisniveau realisiert.
Dekorationsstoffe
Die Sparte Dekorationsstoffe entwickelte sich im 1. Halbjahr 2005 mit -0,9 Prozent nur leicht rückläufig. Dabei zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede in der Entwicklung der beiden Produktarten uni-/buntgewebte und bedruckte Dekostoffe. Hier ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich.
Bereits 2004 zog die Nachfrage nach uni-/buntgewebten Dekostoffen wieder etwas an. Dieser Trend setzte sich im 1. Halbjahr 2005 erfreulicherweise - wenn auch nur recht vorsichtig - fort (0,7 Prozent). Ursächlich war die wieder zunehmende Nachfrage aus dem Inland (6,3 Prozent). Dem Auslandsgeschäft fehlten dagegen die erhofften Impulse. Der Exportumsatz ging um 8,7 Prozent zurück bei einem Exportanteil von 33,6 Prozent (gegenüber 37,1 Prozent im Vorjahr).
Das durchschnittliche Preisniveau zeigte ebenfalls leichte Schwächen. So verringerte es sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent.
Konträr zum Bereich der uni-/buntgewebten Dekostoffe bleibt der dringend benötigte Nachfrageschub im Bereich der bedruckten Dekostoffe auch weiterhin aus. Ganz im Gegenteil, erneut war ein klarer Umsatzrückgang festzustellen (-10,3 Prozent). Dabei enttäuschte insbesondere das Inlandsgeschäft mit -11,8 Prozent, aber auch das Auslandsgeschäft entwickelte sich spürbar rückläufig (-7,1 Prozent) bei einem leichten Anstieg des Exportanteils auf 33,2 Prozent.
Das durchschnittliche Preisniveau entwickelte sich um knapp 4 Prozent rückläufig.
Gardinen
Dem Gardinenbereich fehlte im bisherigen Jahresverlauf ebenfalls der erhoffte Nachfrageschwung. Der Branchenumsatz entwickelte sich um 8,1 Prozent rückläufig.
Dabei mangelte es weiterhin insbesondere an der Nachfrage aus dem Inland (-10,1 Prozent). Das Exportgeschäft blieb nahezu stabil zum Vorjahr (-0,1 Prozent) bei einem leichten Anstieg des Exportanteils auf 22,0 Prozent.
Die Ergebnisse der drei Produktarten fielen recht unterschiedlich aus. Unverändert deutlich rückläufig - d.h. prozentual ein zweistelliges Umsatzminus - zeigte auch weiterhin die gewirkte Gardinen-Meterware. Mit -3,3 Prozent bzw. -3,5 Prozent waren die Umsatzeinbußen in den Bereichen gewebte Gardinen-Meterware und konfektionierte Gardinen dagegen vergleichsweise gering.
Bettwaren
Der Markt für Bettwaren bleibt heiß umkämpft quer durch den Absatzkanal. Insbesondere jedoch der intensive Preiskampf im Handel hält unverändert an. Die Rolle der Discounter als Absatzmittler von Bettwaren ist immer noch sehr stark, trotz der Wachstumsgrenzen, an die die Discounter mittlerweile zunehmend stoßen. Aktuelles Negativ-Beispiel ist eine Steppdecke „Made in Germany“ bei Lidl für 9,99 EUR! Angesichts derartiger Preise kann man sich nur verwundert die Augen reiben. Grund zur Freude kann dabei nicht so recht aufkommen. Der angebotene Preis scheint kaum realistisch. Darüber hinaus konditioniert er den Verbraucher in die falsche Richtung. Die Wertigkeit der Produktgattung Steppdecke wird durch derartige Niedrigpreise völlig verfälscht. Der Schaden für die Branche ist groß.
Dennoch blieb der Umsatz der Hersteller von Bettwaren gefüllt mit Naturhaaren/-fasern und synthetischen Fasern im Verbandsbereich mit 0,3 Prozent erfreulicherweise zumindest stabil zum Vorjahr. Sowohl im In- als auch im Ausland zeigten sich dabei prozentual nahezu gleiche Ergebnisse.
Die Durchschnittspreise bewegen sich auch weiterhin auf niedrigem Niveau. Im bisherigen Jahresverlauf entwickelten sie sich in den Bereichen Steppdecken, Kleinkissen und Nackenstützkissen leider weiter rückläufig.
Was die Konjunkturentwicklung der kommenden Monate betrifft, so ist von einer spürbaren Konjunkturerholung realistisch betrachtet kaum auszugehen. Doch möglicherweise haben die vorgezogenen Neuwahlen – so sie denn tatsächlich stattfinden – und der damit verbundene mögliche Regierungswechsel eine positive Wirkung auf die Verbraucherstimmung und damit das Nachfrageverhalten. Dies könnte sich bereits in der zweiten Jahreshälfte positiv auf das Inlandsgeschäft auswirken.
Was das Exportgeschäft angeht, so mangelt es der Branche derzeit auch hier dringend an Wachstumsimpulsen. Zwei entscheidende Faktoren üben diesbezüglich leider eine erhebliche Bremswirkung aus: zum einen die seit einigen Monaten generell langsamere Gangart der Weltwirtschaft, zum anderen der „teure“ Euro.
Die weitere Entwicklung bleibt hier abzuwarten.
Die Unternehmen der deutschen Heimtextilien-Industrie stecken den Kopf nicht in den Sand, sie nehmen die Herausforderungen des Marktes an und konzentrieren sich tatkräftig und hoffnungsvoll auf das 2. Halbjahr.
Initiative Unternehmen mit innovativen Produkten - und davon gibt es einige quer durch alle heimtextilen Produktsparten - werden die Nase vorn und damit auch die besten Chancen auf kontinuierliche Umsätze und Erfolg im In- und Ausland haben.

