Das Forschungsprojekt NaQuSik beim Produkt zählt mehr als der Preis

Von Dr. Jens-Christian Winkler und Dipl. Ing. Julia Goerke, TFI – Deutsches Forschungsinstitut für Bodensysteme e.V.
Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 05/2009
An dieser Stelle berichten wir heute über ein Forschungsprojekt, das am 1. März 2009 an den Start ging und dessen Laufzeit mit zweieinhalb Jahren geplant ist. Hierbei handelt es sich um NaQuSik (spricht sich Nakusik) und beschäftigt sich mit der bedarfsgerechten Bewertung von Produkten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, mit der Integration von Qualität, Ökologie und Sicherheit sowie den Lebenszykluskosten für Bauprodukte – dies alles am Beispiel von textilen Bodenbelägen. Dabei ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bodenbeläge und Heimtextilien Bestandteil des Forschungsprojekts.
Hintergrund und Forschungsziel
Die deutsche Wirtschaft nimmt weltweit in zahlreichen Branchen sowohl aus technologischer Sicht als auch mit Blick auf das Image bei den Kunden eine Spitzenposition ein. Die Unternehmen können diese Position vor allem dadurch wahren, dass sie im Vergleich zu ihren internationalen Wettbewerbern eine stärkere Kundenorientierung forcieren. Dies wird derzeit primär dadurch erreicht, dass den Kunden ein sehr großes Angebot und damit eine hohe Variantenvielfalt angeboten wird, aus der jeder Kunde sein individuelles Wunschprodukt auswählen kann. Das wiederum führt zu einer höheren Kundenzufriedenheit speziell im Vergleich mit preiswerteren Produkten internationaler Wettbewerber.
Das Dilemma besteht jedoch darin, dass die Bedeutung und die Relevanz von Qualitäts-, Sicherheits- und Lebenszykluskosten sowie von ökologischen Aspekten für jeden Kunden – abhängig von der Nutzungsart des Produkts – variiert. Aus diesen teilweise konkurrierenden Aspekten entsteht oft eine hohe Variantenvielfalt, die für den Hersteller in zusätzlichen Kosten resultiert und die die Kunden zugleich bei der Produktauswahl überfordert.
Die stetig wachsende Sensibilisierung gegenüber Umwelt- und Qualitätsproblemen findet zudem in steigendem Maße Eingang in die Marktakzeptanz von Produkten, beispielsweise bei Ausschreibungen und Entscheidungen im Baugewerbe im Rahmen von nachhaltigen Gebäudezertifizierungen (z.B. Green Building). Bis dato existiert jedoch kein ganzheitliches und praktikables Konzept zur Auswahl eines Produkts, das die ganzheitlichen Betrachtung der Nachhaltigkeit mit den Perspektiven Qualität, Ökologie, Sicherheit und Lebenszykluskosten berücksichtigt. Dies gilt gleichermaßen für die Käufer von Produkten wie für die Produkthersteller, denen die Bewertungsmethoden zur Produkt- und Marktplanung fehlen. Die herkömmlichen und bekannten Methoden zur Kundenbedarfsanalyse und -prognose haben den Nachteil, dass sie entweder sehr aufwändig und damit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht tragbar sind oder unter Einsatz von Heuristiken eine starke Reduktion der Grundgesamtheit der Befragten vornehmen, wodurch die Ergebnisse eingeschränkt werden.
Aus Sicht des Endkunden fehlt zudem eine objektive und transparente Übersicht über sämtliche Produkt-Lebenszykluskosten. Im Regelfall wird lediglich der Kaufpreis betrachtet. Zusätzliche Kosten zur Reinigung, Versicherung, Entsorgung und durch kürzere Lebensdauer aufgrund unzureichender Qualität werden weder systematisch erfasst noch dem Kunden zur Bewertung des Produkts zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt, dass nur selten zwischen Herstellerangaben und Produktdaten unterschieden wird, die durch unabhängige Institutionen ermittelt wurden. Eine diesbezügliche Gewichtung zwischen Herstellerangaben, Prüfdaten und Prüfdaten mit nachgeschalteter Marktüberwachung gibt es weder für qualitative noch für ökologische oder sicherheitsrelevante Bewertungen.
Durch die momentane Vernachlässigung dieser Unterscheidung am Markt entsteht den deutschen Qualitätsherstellern ein Nachteil, da sie ihre Qualitätsprodukte in weiten Bereichen fremd prüfen und überwachen lassen.
An dieser Stelle setzt NaQuSik auch an. Denn im Rahmen des Forschungsvorhabens wird eine Methode entwickelt, die Kennzahlen zu Qualität, Ökologie, Sicherheit und Lebenszykluskosten von Produkten umfasst, diese miteinander verbindet und eine ganzheitliche Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten ermöglicht. Dabei wird exemplarisch das Bauprodukt textiler Bodenbelag betrachtet und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bodenbeläge und Heimtextilien überprüft.
Für den Kunden (=Verbraucher) zeichnen sich die Vorteile vor allem in der ganzheitlichen Bewertung von Produkten ab, die auf der Grundlage der individuellen Kundenpräferenzen erfolgen. Er wird bei der Abfrage seiner Vorstellungen zum Produkt und zum Produkteinsatz so geführt, dass auch rechtliche und sicherheitstechnisch relevante Anforderungen ermittelt werden, ohne dass hierzu besonderes Fachwissen beim Kunden erforderlich ist.
Dem Hersteller ermöglicht die Anwendung der NaQuSik-Methode zusätzlich, Nachhaltigkeitsbewertungen von Produkten schon vor deren eigentlichen Entwicklung durch einfache Parametervariationen zu simulieren und so Vorgabewerte für die Entwicklung vorzugeben. Hiermit sind Zeit- und Kostensparpotenziale verbunden.
Die Nachhaltigkeitsbewertung wird es speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, ihre Produkte in das Bewertungsschema und eine Datenbank einzubringen, ohne umfangreiche Datenermittlungen und Testprozeduren durchlaufen zu müssen. Hierzu trägt u. a. die Berücksichtigung der Qualität der vorhandenen Daten bei. Fehlende Daten können durch Produktlinienvergleiche ermittelt und unter Verwendung eines niedrigeren Datenqualitätsniveaus in Datensätze integriert werden.
Das Projekt wird unterstützt von Firmen aus den Bereichen der Heimtextilien, Bodenbeläge, IT und Handel.
Außerdem beteiligen sich die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB), der Verband der Deutschen Heimtextilien Industrie e.V. und die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. (GUT) an dem Projekt.
Das Projekt wird mit Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gefördert und durch die FQS-Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. betreut.
Die Koordination und das Projektmanagement erfolgen durch:
Fraunhofer-Gesellschaft e.V.
Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT FhG in Aachen
In Zusammenarbeit mit den Forschungsstellen:
TFI - Deutsches Forschungsinstitut für Bodensysteme e.V., Aachen und
Technische Universität Kaiserslautern, Fachbereich Unternehmensrecht,
Hochschule Kaiserslautern
Übersicht
Erschienen in BTH heimtex, Ausgabe 05/2009
An dieser Stelle berichten wir heute über ein Forschungsprojekt, das am 1. März 2009 an den Start ging und dessen Laufzeit mit zweieinhalb Jahren geplant ist. Hierbei handelt es sich um NaQuSik (spricht sich Nakusik) und beschäftigt sich mit der bedarfsgerechten Bewertung von Produkten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, mit der Integration von Qualität, Ökologie und Sicherheit sowie den Lebenszykluskosten für Bauprodukte – dies alles am Beispiel von textilen Bodenbelägen. Dabei ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bodenbeläge und Heimtextilien Bestandteil des Forschungsprojekts.
Hintergrund und Forschungsziel
Die deutsche Wirtschaft nimmt weltweit in zahlreichen Branchen sowohl aus technologischer Sicht als auch mit Blick auf das Image bei den Kunden eine Spitzenposition ein. Die Unternehmen können diese Position vor allem dadurch wahren, dass sie im Vergleich zu ihren internationalen Wettbewerbern eine stärkere Kundenorientierung forcieren. Dies wird derzeit primär dadurch erreicht, dass den Kunden ein sehr großes Angebot und damit eine hohe Variantenvielfalt angeboten wird, aus der jeder Kunde sein individuelles Wunschprodukt auswählen kann. Das wiederum führt zu einer höheren Kundenzufriedenheit speziell im Vergleich mit preiswerteren Produkten internationaler Wettbewerber.
Das Dilemma besteht jedoch darin, dass die Bedeutung und die Relevanz von Qualitäts-, Sicherheits- und Lebenszykluskosten sowie von ökologischen Aspekten für jeden Kunden – abhängig von der Nutzungsart des Produkts – variiert. Aus diesen teilweise konkurrierenden Aspekten entsteht oft eine hohe Variantenvielfalt, die für den Hersteller in zusätzlichen Kosten resultiert und die die Kunden zugleich bei der Produktauswahl überfordert.
Die stetig wachsende Sensibilisierung gegenüber Umwelt- und Qualitätsproblemen findet zudem in steigendem Maße Eingang in die Marktakzeptanz von Produkten, beispielsweise bei Ausschreibungen und Entscheidungen im Baugewerbe im Rahmen von nachhaltigen Gebäudezertifizierungen (z.B. Green Building). Bis dato existiert jedoch kein ganzheitliches und praktikables Konzept zur Auswahl eines Produkts, das die ganzheitlichen Betrachtung der Nachhaltigkeit mit den Perspektiven Qualität, Ökologie, Sicherheit und Lebenszykluskosten berücksichtigt. Dies gilt gleichermaßen für die Käufer von Produkten wie für die Produkthersteller, denen die Bewertungsmethoden zur Produkt- und Marktplanung fehlen. Die herkömmlichen und bekannten Methoden zur Kundenbedarfsanalyse und -prognose haben den Nachteil, dass sie entweder sehr aufwändig und damit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht tragbar sind oder unter Einsatz von Heuristiken eine starke Reduktion der Grundgesamtheit der Befragten vornehmen, wodurch die Ergebnisse eingeschränkt werden.
Aus Sicht des Endkunden fehlt zudem eine objektive und transparente Übersicht über sämtliche Produkt-Lebenszykluskosten. Im Regelfall wird lediglich der Kaufpreis betrachtet. Zusätzliche Kosten zur Reinigung, Versicherung, Entsorgung und durch kürzere Lebensdauer aufgrund unzureichender Qualität werden weder systematisch erfasst noch dem Kunden zur Bewertung des Produkts zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt, dass nur selten zwischen Herstellerangaben und Produktdaten unterschieden wird, die durch unabhängige Institutionen ermittelt wurden. Eine diesbezügliche Gewichtung zwischen Herstellerangaben, Prüfdaten und Prüfdaten mit nachgeschalteter Marktüberwachung gibt es weder für qualitative noch für ökologische oder sicherheitsrelevante Bewertungen.
Durch die momentane Vernachlässigung dieser Unterscheidung am Markt entsteht den deutschen Qualitätsherstellern ein Nachteil, da sie ihre Qualitätsprodukte in weiten Bereichen fremd prüfen und überwachen lassen.
An dieser Stelle setzt NaQuSik auch an. Denn im Rahmen des Forschungsvorhabens wird eine Methode entwickelt, die Kennzahlen zu Qualität, Ökologie, Sicherheit und Lebenszykluskosten von Produkten umfasst, diese miteinander verbindet und eine ganzheitliche Bewertung der Nachhaltigkeit von Produkten ermöglicht. Dabei wird exemplarisch das Bauprodukt textiler Bodenbelag betrachtet und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bodenbeläge und Heimtextilien überprüft.
Für den Kunden (=Verbraucher) zeichnen sich die Vorteile vor allem in der ganzheitlichen Bewertung von Produkten ab, die auf der Grundlage der individuellen Kundenpräferenzen erfolgen. Er wird bei der Abfrage seiner Vorstellungen zum Produkt und zum Produkteinsatz so geführt, dass auch rechtliche und sicherheitstechnisch relevante Anforderungen ermittelt werden, ohne dass hierzu besonderes Fachwissen beim Kunden erforderlich ist.
Dem Hersteller ermöglicht die Anwendung der NaQuSik-Methode zusätzlich, Nachhaltigkeitsbewertungen von Produkten schon vor deren eigentlichen Entwicklung durch einfache Parametervariationen zu simulieren und so Vorgabewerte für die Entwicklung vorzugeben. Hiermit sind Zeit- und Kostensparpotenziale verbunden.
Die Nachhaltigkeitsbewertung wird es speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, ihre Produkte in das Bewertungsschema und eine Datenbank einzubringen, ohne umfangreiche Datenermittlungen und Testprozeduren durchlaufen zu müssen. Hierzu trägt u. a. die Berücksichtigung der Qualität der vorhandenen Daten bei. Fehlende Daten können durch Produktlinienvergleiche ermittelt und unter Verwendung eines niedrigeren Datenqualitätsniveaus in Datensätze integriert werden.
Das Projekt wird unterstützt von Firmen aus den Bereichen der Heimtextilien, Bodenbeläge, IT und Handel.
Außerdem beteiligen sich die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB), der Verband der Deutschen Heimtextilien Industrie e.V. und die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. (GUT) an dem Projekt.
Das Projekt wird mit Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gefördert und durch die FQS-Forschungsgemeinschaft Qualität e.V. betreut.
Die Koordination und das Projektmanagement erfolgen durch:
Fraunhofer-Gesellschaft e.V.
Fraunhofer Institut für Produktionstechnologie IPT FhG in Aachen
In Zusammenarbeit mit den Forschungsstellen:
TFI - Deutsches Forschungsinstitut für Bodensysteme e.V., Aachen und
Technische Universität Kaiserslautern, Fachbereich Unternehmensrecht,
Hochschule Kaiserslautern

